Am 9. Oktober wird die Leipziger Innenstadt für einen Abend zum Erinnerungsraum: Lichtkunst an Fassaden, Tausende Teelichter auf dem Nikolaikirchhof, Menschen, die stehen bleiben und lesen. Wer den Abend im Ring erlebt und danach am dunklen Hainer See ausklingen lässt, nimmt mehr mit als Fotos.
Es gibt Daten, die in einer Stadt jedes Jahr neu spürbar werden. Der 9. Oktober ist in Leipzig so ein Datum. An diesem Abend im Jahr 1989 sammelten sich rund 70.000 Menschen und zogen mit den Rufen „Wir sind das Volk" und „Keine Gewalt" über den Innenstadtring – ohne zu wissen, wie der Abend enden würde. Dass er friedlich blieb, gilt bis heute als Wendepunkt auf dem Weg zum Mauerfall.
Das Lichtfest Leipzig greift genau diesen Abend auf. Seit 2009 erinnert die Stadt jährlich mit Lichtprojekten an die Montagsdemonstrationen im Herbst 89. Das erste Lichtfest stand unter dem Motto „Aufbruch Leipzig" und zog deutlich mehr als 100.000 Menschen an – so viele, dass beschlossen wurde, dieses große Format künftig alle fünf Jahre zu den runden Jubiläen umzusetzen. In den Jahren dazwischen wird es kleiner, ruhiger, konzentrierter.
Die Kerzen-89 auf dem Nikolaikirchhof
Der emotionale Kern des Abends ist unspektakulär und deshalb so stark: eine große „89" aus Teelichtern, die im Laufe des Abends nicht von einer Technikcrew, sondern von den Besucherinnen und Besuchern selbst entzündet wird. Die Kerzen-89 gehört zu beiden Formaten – zum großen Jubiläumsjahr wie zur kleinen Ausgabe. Wer früh am Nikolaikirchhof ist, erlebt, wie sich die Fläche über eine Stunde hinweg füllt.
Lichtkunst im Stadtraum statt Bühne allein
Rund um die Nikolaikirche, den Ring und wechselnde Orte innerhalb der Innenstadt entstehen Installationen und Projektionen internationaler Künstlerteams.
Friedensgebet und Rede zur Demokratie
Zum Leipziger Gedenken an den 9. Oktober zählen neben den Lichtprojekten das traditionsreiche Friedensgebet in der Nikolaikirche und die Rede zur Demokratie. Beides passiert vor dem Lichtprogramm am Abend – ein guter Grund, nicht erst um 20 Uhr in der Stadt anzukommen.
"Wir sind das Volk."
"Keine Gewalt."
Das Lichtfest Leipzig 2026 fällt auf einen Freitag und läuft laut offizieller Ankündigung von 19 bis 23 Uhr in der Leipziger Innenstadt. Der Wochentag ist ein glücklicher Zufall: Ein Freitagabend lässt sich mit zwei Nächten am See zu einem kompletten Kurzurlaub verbinden, ohne Urlaubstag.
2026 ist kein rundes Jahr – der 9. Oktober 1989 liegt 37 Jahre zurück. Nach der Logik der Veranstalter bedeutet das die kleinere, dichtere Variante: weniger Fläche, weniger Projekte, dafür mehr Konzentration auf einzelne Orte. Wer 2024 den vollen Ring erlebt hat, sollte also keine Wiederholung erwarten, sondern etwas Intimeres. Für den Abend spricht das eher – die Wege sind kürzer, das Publikum verteilt sich weniger. Das Detailprogramm mit Orten, Zeiten und Künstlerteams ist einsehbar auf lichtfest.leipziger-freiheit.de. Die Unterkunft lässt sich trotzdem schon vorher buchen – der 9. Oktober steht ja fest. Und der Blick nach vorn lohnt ebenfalls: 2029 stehen 40 Jahre Friedliche Revolution an – das nächste ganz große Lichtfest.
Vom Nordufer des Hainer Sees bis in die Leipziger Innenstadt sind es rund 20 Autominuten. Am 9. Oktober ist die Innenstadt allerdings genau das, was man mit Auto nicht sucht: voll. Die entspanntere Variante führt über den Bahnhof Neukieritzsch, nur wenige Minuten vom HAUS IM SCHILF entfernt. Von dort fährt die S-Bahn-Linie S6 durch den City-Tunnel und hält unter anderem an den Stationen Leipzig Markt und Wilhelm-Leuschner-Platz – beide liegen direkt im Lichtfest-Gebiet. Kein Parkplatzsuchen, kein Ring-Umfahren, und ein Glas Wein zum Abend ist auch kein Thema. Aktuelle Verbindungen und die Route stehen unter Anreise.
Weil das Programm bis 23 Uhr läuft, ist die Rückfahrt der Punkt, an dem viele Ausflüge kippen. Hier hilft der digitale, automatisierte Check-in: Die Anreise am Hainer See ist an keine Rezeptionszeit gebunden, und niemand wartet mit hochgezogener Augenbraue an der Tür. Auch die späte Ankunft nach dem Lichtfest bleibt unkompliziert.
Und der Kontrast lohnt sich: In der Stadt Tausende Menschen und Licht an jeder Fassade – 20 Minuten später Stille, Schilf im Dunkeln, kein Straßenlärm. Genau dieser Wechsel macht den 9. Oktober vom Hainer See aus zu einem anderen Erlebnis als aus einem Innenstadthotel.
Der Abend spielt sich draußen ab, im Oktober, teils im Stehen. Warme Jacke, feste Schuhe und Handschuhe sind keine Übertreibung. Wer fotografieren möchte, braucht kein Stativ-Monster, sondern Geduld – die schönsten Momente entstehen dort, wo Menschen sich über eine Kerze beugen. Für den nächsten Morgen ist ein Vorrat im Kühlschrank praktisch: Der 24/7-Smart-Store ist nur sieben Radminuten entfernt, Restaurants liegen gegenüber in der Lagune Kahnsdorf.
Es gibt einen Zusammenhang, der beim Lichtfest selten erwähnt wird, aber vom Hainer See aus offensichtlich ist: Ohne den Herbst 89 gäbe es dieses Ufer nicht.
Wo heute Segel über das Wasser ziehen, lief bis in die 1990er Jahre der Braunkohletagebau. Ganze Dörfer waren den Baggern gewichen, die Luft südlich von Leipzig galt als eine der schlechtesten Europas. Erst nach der Wende wurden die Tagebaue stillgelegt, die Restlöcher geflutet – und aus einer Kraterlandschaft entstand über Jahrzehnte das Leipziger Neuseenland. Die Kerzen von 1989 stehen also nicht nur am Anfang der Wiedervereinigung, sondern auch am Anfang dieser Seenlandschaft.
Wer beides an einem Wochenende verbindet, versteht die Region besser als über jede Museumstafel: am Freitagabend die Lichtprojekte in Leipzig, am Samstag eine Runde um den See oder ein Blick in die Geschichte des Neuseenlands und die erhaltene Tagebautechnik der Umgebung. Zwei Kapitel derselben Geschichte, 20 Kilometer voneinander entfernt.
Wir leben und arbeiten in dieser Region, und für uns ist der 9. Oktober kein Programmpunkt im Veranstaltungskalender. Boris Janda kennt den Hainer See seit den 90er Jahren – aus der Zeit, in der hier noch geflutet und nicht gebadet wurde. Wer den Wandel dieser Landschaft über Jahrzehnte mitverfolgt hat, sieht die Kerzen auf dem Nikolaikirchhof mit anderen Augen.
Deshalb bauen wir für diesen Abend auch keine Pauschale mit Sektempfang. Was wir anbieten, ist der passende Rahmen: zehn ruhige Ferienwohnungen mit Seeblick in zwei Adults-only-Schwedenhäusern, kein Trubel im Haus, eine eigene Terrasse oder ein Balkon für das Gespräch danach – und Check-in-Zeiten, die sich nach dem Abend richten und nicht umgekehrt.
Das Lichtfest Leipzig ist keine Lichtershow, sondern ein Abend, der nachwirkt – und der einen Ort braucht, an dem man ihn sacken lassen kann. 20 Autominuten südlich endet der Lärm, und der Hainer See liegt dunkel und still da. Wer den 9. Oktober mit einem Herbstaufenthalt am Wasser verbindet, bekommt Stadt und Stille an einem Wochenende. Mehr dazu unter haus-im-schilf.de.
Boris Janda ist Marketingstratege, Mitbetreiber des HAUS IM SCHILF und Gesellschafter des Pier 1 am Cospudener See. Er kennt den Hainer See seit den 90er Jahren – also seit der Zeit, in der aus stillgelegten Tagebauen Seen wurden. Mit seiner Agentur Janda + Roscher verantwortet er unter anderem das Marketing von leipzigseen.de und beobachtet seit Jahren, wie Leipzig seine Geschichte im Stadtraum erzählt.